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Florian Frömel, Geschäftsführer PVS dental GmbH

Das E-Health-Gesetz und seine Auswirkungen für Praxen in der Zahnmedizin

Dieses Jahr ist Stichtag: Bis zum 31.12.2018 müssen sich deutsche Arzt- und Zahnarztpraxen an die Telematikinfrastruktur anbinden, sonst drohen spürbare Honorarabzüge. Aber ganz langsam, worum geht es dabei genau?

Laut Bundesgesundheitsministerium handelt es sich beim sogenannten E-Health-Gesetz um das „Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen“, es enthält „einen konkreten Fahrplan für die Einführung der digitalen Infrastruktur mit höchsten Sicherheitsstandards im Gesundheitswesen und nutzbringender Anwendungen auf der elektronischen Gesundheitskarte“.

Eine wichtige Komponente des E-Health-Gesetzes ist die sogenannte Telematikinfrastruktur – sie vernetzt digital alle Akteure des Gesundheitswesens im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung und gewährleistet die zeitgemäße, systemübergreifende sichere Übermittlung von Informationen und Daten durch ein geschlossenes digitales Netz.

Und genau diese Infrastruktur soll bis Ende dieses Jahres deutschlandweit geschaffen sein. Insofern stehen den Praxen einige Investitionen ins Haus – falls diese nicht schon in der Vergangenheit geleistet wurden – die aber von den Krankenkassen für die Erstausstattung und den laufenden Betrieb übernommen werden.

 

Telematikinfrastruktur (TI) – was gehört dazu

Damit die Akteure (Praxen, Krankenkassen etc.) digital und vor allem sicher miteinander kommunizieren können – immerhin handelt es sich um sensible Krankendaten – gehören zur notwendigen Infrastruktur folgende Komponenten:

  • ein Konnektor – ähnlich einem DSL-Router, allerdings auf einem deutlich höheren Sicherheitsniveau
  • ein stationäres TI-fähiges Kartenterminal oder mobiles Kartenterminal
  • ein Praxisausweis (SMC-B)
  • Internet und ein VPN-Zugangsdienst
  • die Anpassung des Praxisverwaltungssystems (PVS)

 

Die Finanzierung der Erstausstattung und laufender Betriebskosten

Nach dem Gesetz sind die Krankenkassen verpflichtet, die Kosten für die Erstausstattung der Praxen und den laufenden Betrieb zu übernehmen. Dafür gelten folgende Sätze:

  • Praxen mit bis zu drei Zahnärzten erhielten für einen Konnektor und für ein neues stationäres TI-fähiges Kartenterminal im dritten Quartal 2017 3.055 Euro. In den drei Folgequartalen sinkt der Betrag, da der für den Konnektor inkludierte Preis jedes Quartal um jeweils zehn Prozent abgesenkt wird. Insgesamt etwas höher fällt der Erstattungsbetrag aus, wenn mehr als drei Zahnärzte (Vollzeitäquivalente) in einer Praxis arbeiten.
  • Ab dem 3. Quartal 2018 beträgt der Erstattungsbetrag je nach Praxisgröße 1.155 Euro bis 2.025 Euro.
  • Für mobile Kartenterminals gibt es einen Erstattungsbetrag von 350 Euro.
  • Darüber hinaus erhalten Zahnärzte eine einmalige Startpauschale von 900 Euro für Kosten, die im Zusammenhang mit der technischen Ausstattung stehen, zum Beispiel für den Praxisausfall während der Installation des Konnektors und für die Kosten der Anpassung des Praxisverwaltungssystems.
  • Die Betriebskostenpauschale für die Wartung der Technik und deren Updates beträgt bis zum 2. Quartal 2018 298 Euro je Quartal, danach nur noch 248 Euro je Quartal.
  • Darüber hinaus werden auch die Betriebskosten für den Praxisausweis in Form der SMC-B Smartcard (23,25 Euro/Quartal und Karte) sowie den Arztausweis in Form der HBA Smartcard (11,63 Euro/Quartal und Karte) vergütet.

 

Vorteil des elektronischen Heilberufsausweises (eHBA; elektronischer Zahnarztausweis)

Der eHBA ist für die Anbindung der Praxis an die TI nicht zwingend erforderlich, aber für bestimmte Anwendungen der TI. Der Inhaber kann mit dem elektronischen Zahnarztausweis eine elektronische Unterschrift erstellen, die sogenannte qualifizierte elektronische Signatur (QES). Diese wird heute schon benötigt, wenn man den qualifiziert signierten elektronischen Arztbrief nutzen möchte oder für Überweisungen zum Labor digitale Vordrucke verwendet.

Durch die qualifizierte elektronische Signatur wird eine absolut fälschungssichere digitale Archivierung sämtlicher Praxisdokumente gewährleistet. Damit besteht für eine Praxis die Möglichkeit, völlig papierlos zu arbeiten. Alle digitalen Dokumente gelten als rechtssicher im Sinne der gesetzlichen Anforderungen. Dies hat z. B. bei der Einverständniserklärung zur Datenweitergabe große Bedeutung.

 

Fazit: Fluch oder Segen?

Fest steht: Die Digitalisierung lässt sich weder umkehren noch aufhalten. Und die geplanten Funktionen der Telematikinfrastruktur haben nach unserer Einschätzung das Potenzial, die Arbeit von Zahnärzten und die Versorgung von Patienten wesentlich und nachhaltig zu verbessern.

Die Speicherung von Medikationsplänen und Notfalldaten macht beispielsweise kritische Informationen schneller und besser verfügbar. Die qualifizierte elektronische Signatur (QeS) und das gesicherte Kommunikationsnetzwerk zwischen den Leistungserbringern ermöglichen den schnellen und sicheren Austausch patientenbezogener Dokumente.

Die Digitalisierung sollte also als Chance begriffen werden, Praxisabläufe zu automatisieren und so mehr Freiräume zu schaffen. Zum Nutzen der Patienten und der Zahnärzte.

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